Offener Brief an den Präsidenten der Französischen Republik Emmanuel Macron Sehr geehrter Herr Präsident, Mit neunzehn Jahren fühle ich mich, als wäre ich tot. Dabei schneit es heute in Straßburg. Hübsche Flocken wirbeln am Himmel umher. Ich beobachte sie von meiner warmen Wohnung aus, aber habe nichts davon. Der Schnee ist entzückend, wenn er braune Haare bedeckt, auf Kinderzungen landet oder sich am Mantel eines unachtsamen Passanten zerreibt. Ich schmunzle nostalgisch, aber ich habe keinen Grund hinauszugehen. Ich muss arbeiten. Das ist alles, was ich tun muss, nicht wahr? Das ist alles, was ich tun soll, das Einzige, was ich tun darf. Ich bin neunzehn Jahre alt und mein Büro ist mein Zimmer. Es ist auch mein Platz zum Ausruhen, zum Telefonieren, zum Filme schauen und manchmal sogar zum Kochen. Alles mischt sich in meinem Gemüt. Nach einem Tag im Hörsaal nach Hause zu kommen, ist nicht mehr befriedigend, der Unterricht ist mein Zimmer, mein Zimmer ist der Unterricht. Die Wahrheit is...
Spielwiese und Kulturblog