Nachdem sich ewig Staub, Spritzer und Kratzer auf ihren Brillengläsern angesammelt hatten, entschloss sich die junge Marwa Siltar, die Zügel ihres Leben in die Hände zu nehmen und etwas zu tun, wovor sie sich immer gedrückt hatte. Sie reinigte ihre Brillengläser nicht etwa mit ihrem Pyjama oder dem Zipfel ihres Unterhemdes, sondern mit lauwarmem Wasser und etwas Seife und wischte sie dann mit dem Stofftuch ab, das im Brillenetui in der untersten Schublade ihres Nachttischs lag.
Marwa erzählt, wie sich ihre Umgebung verändert hat, sobald sie die saubere Brille trug: „Mein Spiegel war plötzlich sauber, die Wände mussten nicht mehr gestrichen werden. Meine schlampigen Nachbarn badeten ihre Kinder und zogen ihnen saubere, fleckenfreie Kleidung an. Meine Kollegen im Büro putzten sich die Zähne. Es gab nichts mehr, was bei mir für Kopfschmerzen oder Stirnrunzeln sorgte. Mit Dingen, die mich sonst noch stören, wie Pappbecher, Papiertaschentücher und Müllsäcke, die auf dem Bürgersteig und auf der Straße liegen, kann ich inzwischen umgehen.“
Marwa hat jetzt vor, das Brille putzen wie die Mahlzeiten und das Zähneputzen zur Routine zu machen. Aber das wird nicht passieren, weil +Marwa arbeiten, mit den Öffentlichen fährt und die Einkäufe erledigen muss. Wenn sie ins Bett geht, schmeißt sie ihre Brille irgendwo hin und dreht das Haus auf den Kopf, um sie am nächsten Tag wiederzufinden. Beim Filmschauen schläft sie mit der Brille auf der Nase ein. Erst wieder nach einer Ewigkeit wird sie daran denken ihre Brille zu putzen.
Auf Arabisch erschienen am 15.01.21 auf der Satireseite Alhudood https://alhudood.net/42250/
Übers. von TU.
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