Nein, du Kanake, das war letzten Monat
Es war so. Jesus ist auf einer Geschäftsreise von Josef und Maria im palästinensischen Bethlehem geboren. Kurz darauf tauchen „Sterndeuter aus dem Osten“ auf, die einem Stern am Himmel bis nach Jerusalem gefolgt sind. Sie fragen nach dem neugeborenen Jesus, den sie als König der Juden erachten, und erfahren, dass sie in der falschen Stadt sind. Die Sterndeuter finden Jesus, von dem sie natürlich begeistert sind, geben ihm paar Geschenke und gehen wieder. Josef und Maria flüchten dann rasch nach Ägypten, weil der gar nicht so heilige König Herodes vom „König“ Jesus hört und ihn umbringen will. Diese Geschichte findet sich im Evangelium von Matthäus, einem Teilbuch der Bibel.
Und wieso heißt jetzt der Feiertag Drei Könige?
„Sterndeuter“ ist ein moderner Übersetzungsversuch für das griechische magoi, von dem auch das Wort Magie kommt. Da die frühen Leser der Bibel nicht viel mit dem Wort anfangen konnten, verglichen sie die Stelle mit älteren Stellen aus der Bibel. „Guck mal, da geben Könige Geschenke an jemanden, und da auch!“ So wurden aus magoi Könige.
Und wer waren diese Magierkönige, und wenn ja, wie viele?
Wie alles in der Bibel wurde auch diese Geschichte von neuzeitlichen Gelehrten mit viel Scharfsinn, aber mit schwachem Îmân, auf tausenderlei Art analysiert und historisiert. Weil sie aus dem Osten kamen, nahm man an, dass sie Chaldäer aus Babylon (heute Irak) oder Perser (heute Iran) waren. Die magoi oder Magier waren Priester in den antiken Perserreichen. Das wissen wir u.a. von den alten Griechen wie Herodot, der aber nichts mit dem Herodes von oben zu tun hat. Konzentrier dich! Diese Priester interpretierten z.B. die Träume der Perserkönige, machten Wahrsagungen und gaben der Armee seelische Unterstützung. Die Magier waren auch die Priester der zoroastrischen Religion, die wegen der Bedeutung des Feuers für sie von Muslimen Jahrhunderte später „Feueranbeter“ genannt wurden.
Die Anzahl der Könige/Magier haben später die christlichen Römer hinzugefügt, mal waren's zwei, mal drei, mal vier an der Zahl. Wenn die eigenen Zahlen so aussehen IV, I, III, II kann man das locker mal durcheinanderbringen.
Weil man die netten Onkel nicht namenlos lassen wollte, gab man ihnen später die Namen Caspar, Melchor und Balthasar.
Auch der Stern, der den Königen quasi als Navi diente, wurde auf unterschiedlichste Art gedeutet: als Komet, als eine Konstellation von drei Planeten oder als ein metaphorischer innerer Stern der Erleuchtung usw. Wo auch immer die Magier herkamen und was auch immer der Stern tatsächlich war, auf jeden Fall symbolisieren diese Figuren die Welt der Heiden, der „Nichtjuden", die ebenfalls aufgerufen waren, ihren Erlöser Jesus zu erkennen.
Und warum am 6. Januar? Haben die Herren nach der Geburt des Heilands am 25.12. etwa zwölf Tage für die Anreise gebraucht? Haben sie nicht eher ein Visum bekommen? Oder waren sie vorher in Quarantäne?
Es ist komplizierter. So viel sei gesagt. Man feiert am 6. Januar drei Wunder von Jesus Christus, nämlich seine Anbetung durch die (drei) Könige, seine Taufe im Fluss Jordan und eine Hochzeit, wo Jesus Wasser in Wein verwandelte.
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Hiermit wollte ich eigentlich nur auf umständliche Weise daran erinnern, dass dieser deutsche Feiertag einem Ereignis gedenkt, bei dem eine Gruppe Iraner (oder Iraker) ein neugeborenes palästinensisches Kind besuchen und das Kind mit seinen Eltern kurz danach nach Ägypten flüchten muss.
Der mittelalterliche Reiseblogger Marco Polo behauptete außerdem, die Gräber der drei in der iranischen Stadt Saveh gesehen zu haben. Glaubt mir, ich war vor zwei Jahren dort. Es stimmt nicht.
Jedenfalls, ich wünsch allen ein schönes Dreikönigsfest!
Quellen:
Iranica, „Magi“, https://iranicaonline.org/articles/magi.
Bibel, Einheitsübersetzung (1981), S. 2104.
und natürlich Wikipedia. Hey, ich krieg hierfür schließlich keine Note…
von TU
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